Ein bisschen Bauchweh hat sie. Und ein bisschen schlecht ist ihr auch. Obwohl sie in den letzten Jahren immer mehr über sich selbst hinausgewachsen ist, bedeutet dieser Schritt wesentlich mehr als sie sich eingestehen wollte. 'Ich könnte niemals im Ausland leben, das ist viel zu weit weg von zu Hause', hätte sie noch vor vier Jahren ganz überzeugend von sich gegeben. Und das auch aus gutem Grund: alles Unbekannte bereitete ihr Angst und machte sie unsicher. Mit Unsicherheit kannte sie sich aus. Mit Angst allerdings auch. Umgeben von Menschen, die so viel mutiger und abenteuerlustiger waren als sie - zumindest empfand sie das immer so - und die so gar kein Verständnis für ihr merkwürdiges/vorsichtiges Verhalten hatten, nahm sie schnell eine Außenseiterrolle ein. Verabredungen oder Erlebnisse die spannender nicht hätten sein können sagte sie regelmäßig ab. Im Glauben es könne sowieso niemand nachvollziehen warum sie in bestimmten Situationen so oder so handelt, beschloss sie einfach nichts zu tun und das Gespött anderer hinzunehmen. Irgendwann fragte man sie schon gar nicht mehr ob sie zu der nächsten Party mitkommen möchte - sie hätte eh kurzfristig eine Ausrede gefunden. Über den wahren Grund hätten sich die Anderen sowieso nur lustig gemacht. Nein, da nimmt sie lieber das leere Gerede hinter ihrem Rücken in Kauf. Während die Anderen also Spaß hatten, saß sie zu Hause und grübelte über eben jenes Zeug, was sie beschäftigte oder ihr mental zu schaffen machte.
Doch dann fand sie sich vor zwei Jahren plötzlich an einem Ort wieder, der so gar nicht nah an 'Zuhause' war. Ein Ort der über eintausend Kilometer entfernt lag und in dem man eine völlig andere Sprache sprach. Endlich tat sie Etwas, dass niemand von ihr erwartet hätte, erst recht nicht sie selbst. Sie stellte sich ihrer Angst und erlebte die wohl bislang schönsten und gelöstesten Momente. Mit einem kleinen Schmunzeln denkt sie noch heute an eine Konversation, die sie vor einigen Monaten mit einer ehemaligen Mitschülerin während einer Zugfahrt führte. 'Mensch, ich hätte ja nie gedacht dass du Mal rauskommst. Warst ja früher immer so ein Stubenhocker.' Da hatte sie recht. 

Das war ich wirklich. Und auch wenn ich normalerweise der festen Überzeugung bin, dass Menschen sich nicht ändern können, so bin ich mir selbst ein Beweis dafür, dass es zumindest in Teilen möglich sein kann. Und nun..nun wird es Zeit für ein neues Abenteuer. Ein Abenteuer, das nicht mehr ganz so unbekannt ist, was es aber nicht weniger aufregend und gleichzeitig auch angsteinflößend macht. Selbst während ich das hier niederschreibe,fühle ich mich ein bisschen lächerlich. Junge Menschen stellen sich täglich großen Herausforderungen. Gehen nach Australien oder Neuseeland. Alleine. Wie kann ich da großartig über Veränderung und Mut reden? Wenn man sein halbes Leben damit verbringt alles mögliche zu hinterfragen, analysieren oder zu zerdenken, dann ist das Verlassen eines gewohnten Umfeldes über längeren Zeitraum schon ein riesiger (Fort)schritt. Sich immer in den eigenen vier Wänden zu vergraben & auf ein Wunder hoffen funktioniert leider nur eine gewisse Zeit und ändert nichts an dem eigentlichen Problem. Es hat lange gedauert bis ich das kapiert habe. Vielleicht zu lange. Durch mein Verhalten habe ich nicht nur (für mich) wichtige Menschen verloren, Andere haben sich meine Schwäche zu Nutze gemacht. Ich denke die größte Hürde auf dem Weg zur Veränderung ist man selbst. Sich zu akzeptieren und sich seinen Ängsten zu stellen. Ich glaube gerade weil es sich um etwas nicht Greifbares handelt, ist es besonders schwer. Veränderung passiert - wenn überhaupt - nicht über Nacht. Es bedarf verschiedener Etappen oder Ereignisse (manchmal reicht aber auch einfach das Älterwerden), die einen realisieren lassen was man verpasst (hat).
Natürlich werde ich meine Ängste nicht mit einem Fingerschnippen komplett betäuben können. Auch in Zukunft werde ich mir Gedanken machen. Viele Gedanken. Aber das ist in Ordnung, denn ich habe gelernt etwas besser damit umzugehen.

In weniger als einer Woche geht mein Flug. In 3 Tagen um genau zu sein. Auf mich warten finanzielle und soziale Unsicherheit. Natürlich hab ich Angst. Aber ich weiß ich kann es schaffen, denn wenn man etwas wirklich möchte kann man Kräfte entwickeln, von denen man gar nicht wusste dass man sie besitzt. In den letzten Jahren haben unzählige Energiequellen dazu beigetragen, mein Denken umzustellen. Versuchen glücklicher zu sein. Und diesen Personen und Etappen in meinem Leben gilt mein allergrößter Dank! Danke!
Nun sitze ich die letzte Nacht auf meinem (WG)-Bett & packe Kartons. Es sind viele Kartons. Mensch, wo kommt bloß der ganze Müll her?! Ich bin dann auch so eine Person die immer nicht weiß was sie wegschmeißen soll & was unbedingt aufbewahrt werden muss. Es ist komisch etwas zu zerstören, was man sich liebevoll über die letzten Jahren aufgebaut hat. Aber nein! Es ist Zeit für Veränderung, das weiß ich selbst. Dessen war ich mir schon länger bewusst. Ich möchte Abenteuer erleben. Mich selbst neuen Herausforderungen stellen - wäre ja sonst langweilig. Und auch wenn meine Angst eigentlich schon einen großen Teil im 'Herausforderungen-Part' einnimmt, so ist der Wille nach 'mehr' trotzdem sehr präsent. Denn wenn ich etwas gelernt habe, dann: 'Live the life you love and love the life you live'.

PS: Zu meinem ersten Auslandsaufenthalt und Panikattacken habe ich bereits vor einer Weile ein Video auf Youtube hochgeladen. Ihr findet es hier!

Translation:
She has a bit of a stomach ache. It is bad. Although she has surpassed herself more and more in recent years, this step means a lot more than she cared to admit. 'I could never live abroad, that is way too far away from home', she would have said four years ago, quite convincingly. And that for good reason: everything unknown caused her anxiety and made her feel unsafe. She is familiar with uncertainty. Also with fear. Surrounded by people who were so much more daring and adventurous as her - at least she felt that way - and who did not understand her strange and cautious behavior, she quickly became an outsider. Meetings that could not have been more exciting, she cancelled regularly. Believing that nobody would understand her, she decided to do nothing about it but to accept the laughter of others. Eventually they did not even ask anymore if she wanted to attend the next party - she would have found an excuse for not coming anyway. She knew that they would have made fun out of the real reason for her behaviour. No, she rather would accept the talking behind her back. Whilst everyone had fun, she was sitting at home, pondering about anything that busied her mind.
Suddenly, two years ago, she found herself in a place that was anything but close from home. A place which was more than a thousand kilometers away and where the people spoke a completely different language. Finally, she did something that no one would have expected of her, and certainly not even herself. She faced her fear and experienced the most beautiful and carefree moments yet. With a little smile on her face, she thinks about a conversation she had with a former classmate during a train journey a few months ago. 'Man, I would have never thought that you would get outta here (Germany). I always thought you are a little sissy. ' She was right.

I really was. And even though I'm normally of the firm belief that people can not change, I am to myself living proof that it may be possible, at least partially. And now it's time for a new adventure. An adventure that is familiar, which does not mean it is less exciting or frightening. Even as I write this, I feel a bit ridiculous. Young people face many great challenges. They are going to Australia or New Zealand. Alone. Realistically, how can I talk about change and courage? If one spends half his /her life to question everything possible, to analyze or overthink,  leaving a familiar environment over a longer period is already a huge step. Isolation (sort of), or jus sitting around in one's room and waiting for a miracle - this brings only a short lived comfort and does not change the actual problem. It took a long time for me to understand. Maybe too long. Because of my behavior I have not only lost important people, others have taken advantage of my weakness. I think the biggest hurdle on the path to change is yourself. To accept yourself and to face your fears. I think because it is not something physical, it is particularly difficult. Change happens - if at all - not overnight. It requires various stages or events (but sometimes getting older is enough), which can make you realize what you missed.

Of course I cannot make my fears disappear by snapping my fingers. And of course I will have thoughts. Many thoughts. But that's okay, because I've learned how to deal with them better.
My flight is in less than a week. In 3 days to be exact. Financial and social insecurity is waiting for me. Yes, I'm scared. But I know I can do it, because if you really want something you can develop forces of that one had no knowledge of before. In recent years, countless energy sources have helped convert my thinking. Trying to be more happy. And these people and stages in my life I wish to express my greatest thanks! Thank you!

It's the last night I am going to sleep in my bed. Boxes all around me. There are many boxes. Man, where is all the crap from ?! I am a person who always struggles to throw things away. It's weird to destroy something, which one has built lovingly over the last few years. But no! It's time for change, I know that myself. I want to have adventures. Setting myself new challenges - otherwise life would become dull. Even if my fear is a great challenge on its own, the will for 'more' is still very present. Because if I've learned something, then it is: 'Live the life you love, and love the life you live'.
Like?

Kommentare:

  1. Ich bin so stolz auf dich und wünsche dir ganz viel Freude, Spaß und Glück auf deiner Reise! :) <3

    AntwortenLöschen
  2. Ich finde es wirklich toll, dass du dich auf so eine wundervolles Abenteuer einlässt. Ich bin sicher, dass du das super meistens wirst. Ich wünsche dir alles Glück der Welt , liebe Grüße :)
    http://www.measlychocolate.de

    AntwortenLöschen

Thanks for your comment :) xoxo